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Wolfgang Müns



Aus: ins-presse vom 4.11.2005:

Fritz-Reuter-Literaturpreis 2005 für Wolfgang Müns
Eigentlich dreht sich sein ganzes Leben um Bücher. In zwei großen Bibliotheken für niederdeutsche Literatur ist er zu Hause, in Bremen am Institut für niederdeutsche Sprache und in der Niederdeutschen Bibliothek der Carl-Toepfer-Stiftung in Hamburg. Wolfgang Müns, unlängst 60 Jahre alt geworden, hat schon viele Bücher herausgegeben und auf den Weg gebracht. Am 7. November wird ihm nun der Fritz-Reuter-Literaturpreis der Stadt Stavenhagen und des Fritz-Reuter-Literaturmuseums verliehen. Ausgezeichnet wird er für die Dokumentation „John Brinckman – Briefe, Dokumente, Texte“, die, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, auf insgesamt 4 Bände angelegt ist.
Der Preisträger äußerte sich im Gesprächmit dem INS zu seinem John-Brinckman-Projekt:
INS: Ist Brinckman heute noch aktuell?
WM: Brinckmans vielschichtiges plattdeutsches Prosawerk ist nicht nur gegenwärtig aktuell, man darf diese Aktualität auch für die nächsten Jahre voraussagen – denn da ist einmal die zutiefst humanistische Grundhaltung dieser Werke, zum anderen sind die sozialkritischen Züge und die satirischen Elemente dieses plattdeutschen Gesamtwerkes so gearbeitet, dass sie nicht nur die damaligen Zustände um die Mitte des 19. Jahrhunderts spiegeln, sondern variiert ganz gewiss auch auf heutige Zeitverhältnisse übertragbar sind. Außerdem hat Brinckman seit jeher durch vielfache humoristische Passagen Leser begeistern können. Des weiteren beeindrucken viele Prosawerke durch einen kulturhistorischen Anspruch.
INS: Taugt Brinckman denn auch als hochdeutscher Schriftsteller? WM: Bei Brinckmans hochdeutschen Schriften erschließen sich vor allem diejenigen Werke einem hochdeutschen Leser, in denen Brinckman geradezu eine Meisterschaft satirischer Darstellungskunst liefert wie in den 35 „Neuen Mecklenburgischen Liedern“ von 1848. Die kritische Widerspiegelung gesellschaftlicher Missstände aller Art mit Mitteln der Ironie und Satire ist einerseits direkt auf die Zeit von 1846/1848 bezogen, andererseits gleichzeitig aber von so hoher Allgemeingültigkeit, dass diese Lieder partiell auch auf heutige Gegebenheiten beziehbar sind.
INS: Was dürfen wir für die Folgebände erwarten?
WM: Ein im Jahr 2006 erscheinender Band III widmet sich der Rezeption des Werkes Brinckmans, daneben werden explizit die Bemühungen von Familienmitgliedern, Verlegern und Einzelpersönlichkeiten dargestellt, die sich erfolgreich über Jahrzehnte hinweg um die Erschließung und Popularisierung des Brinkmanschen Werkes einsetzen.
INS: Und wie ist es mit unbekannten Archivalien? WM: Es werden wieder zahlreiche unbekannte Briefe veröffentlicht bzw. bisher nur teilveröffentlichte Briefdokumente in ihrer Gesamtheit vorgestellt. Ein kommentierter Wiederabdruck ausgewählter Vor- oder Begleitworte, die verschiedenen Brinckman-Ausgaben bis 1906 und danach beigegeben waren, wird entscheidend mit zur Erhellung der Nachteile, aber auch der positiven Erscheinungen jenes Problems beitragen, dass zahlreiche Editionen nach Brinckmans Tod grundsätzlich Bearbeitungen in textlicher und orthographischer Hinsicht darstellten. Ein Band IV im Jahre 2007 wird sich ausschließlich mit dem Thema „Shakespeare und Brinckman“ beschäftigen.


Wolfgang Müns in:
PBuB





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